Zwillinge, die mit dem Zelluloidball zaubern (Bericht der PNP vom 09.11.2019)


Ruhmannsfelden. Wer das Talent-Ranking im Tischtennis betrachtet, stößt bald auf den Namen Daniel Rinderer, der aus dem TV 1892 Ruhmannsfelden hervorgegangen ist. Der 17-Jährige spielt beim FC Bayern München in der 3. Bundesliga, errang heuer mit der deutschen Jugend-Nationalmannschaft bei den Europameisterschaften die Bronzemedaille und durfte bei den Weltmeisterschaften in Australien teilnehmen. Neuerdings steht er jedoch nicht mehr alleine im Fokus, in der Eliteliste der besten Nachwuchsspieler taucht der Name Rinderer jetzt drei Mal auf. Daniels neunjährige Zwillingsbrüder Jonas und Fabian sorgen nämlich ebenfalls für Furore. Jonas triumphierte beim Turnier der besten 14 bayerischen Buben der Altersklasse U 11, Fabian schmetterte sich zum niederbayerischen Meistertitel der Schüler B (bis 12 Jahre).
Die beiden Youngster der Tischtennis-Familie Rinderer sind zwar Zwillinge, ihre Spielweise ist aber völlig unterschiedlich. Vater Hans erläutert: "Jonas agiert sicher und kontrolliert, verteilt die Bälle über den ganzen Tisch, kann schon ausgezeichnet von Defensive auf Offensive umschalten. Fabian geht aggressiver und druckvoller zu Werke, setzt bedingungslos auf Angriff, will möglichst schnell zum Abschluss kommen, was allerdings mit viel mehr Risiko verbunden ist." Nicht unerwähnt lässt der Papa, dass beide "für ihr Alter extrem schnelle Beläge" auf die Schläger geklebt haben.
Momentan sei Jonas mit seiner "kontrollierten Offensive" (noch) einen Tick besser. Mit seinem grandiosen TTR-Wert von 1360 Punkten habe er vor kurzem eine Sondergenehmigung für Einsätze im Herrenbereich erhalten. "Jonas wird mit mir in unserer III. Mannschaft in der Bezirksklasse A spielen", kündigt der Papa an. Der Youngster könne hierbei wertvolle Erfahrungen sammeln – beispielsweise gegen "alte Füchse", die oft in die Trickkiste greifen und deren Spielweise schwer ausrechenbar ist. Eine solche Sondergenehmigung mit erst neun Jahren – das sei "wahrscheinlich einzigartig in Bayern", glaubt Hans Rinderer und zieht einen Vergleich mit Daniel, der sich mit 12 erstmals bei den Herren beweisen durfte. Noch ein Vergleich: "Leistungsmäßig sind jetzt Jonas und Fabian schon besser und weiter als es Daniel mit neun Jahren war", betont Mama Petra, die mit den Zwillingen auch früher mit dem Training begonnen hat: "Daniel hat mit sechs Jahren angefangen. Jonas und Fabian waren vier und mit sechs haben sie schon die ersten Meisterschaftsspiele in der Jugendmannschaft des TV absolviert."
Fast jeden Tag geht es zum Trainieren an die grünen Tische in der Fritz-Wittmann-Halle, der vereinseigenen Sportstätte des TV Ruhmannsfelden. "Beide wollen immer spielen, sind eifrig und ehrgeizig, bei den Übungseinheiten stehen Technik-Elemente und Systemtraining im Vordergrund", erklärt Petra Rinderer, die auch schon von klein auf Tischtennis spielt und in den Mädchenjahren dem Auswahlkader ihres Heimatlandes Tschechien angehörte. Etwas für die Kondition tun die Rinderer-Zwillinge beim Fußball in der F-Jugend des SV Gotteszell, wo – passend zu ihrer Tischtennis-Spielweise – Jonas als Abwehrchef fungiert und Fabian als Stürmer auf Torejagd geht.
Bei der Frage nach Vorbildern zucken beide zunächst mit den Schultern. "Timo Boll finde ich ganz gut", antwortet dann Jonas. "Und ich Ma Long", sagt Fabian. Für Nicht-Tischtennisexperten: Boll ist seit mehr als 20 Jahren Deutschlands Nummer 1, eine Ikone in der reaktionsschnellen Sportart, der Chinese Ma Long ist seit Jahren der weltbeste Zelluloidball-Künstler, der heuer zum dritten Mal Weltmeister geworden ist. Und Bruder Daniel, ist er keine Vorbild-Option? Jonas und Fabian blicken zu Papa und Mama. "Ja, manchmal spielt Daniel schon stark, er macht aber auch zu viele leichte Fehler", sagen dann beide ganz fachmännisch und fügen hinzu, dass sie ihre Eltern zu fast allen Heimspielen des FC Bayern München begleiten und ihren Bruder anfeuern würden.
Zurück zu den bislang größten Erfolgen der Rinderer-Zwillinge. Jonas sorgte beim bayerischen TOP 14 der Altersklasse U 11 im schwäbischen Burgau für Aufsehen, imponierte mit Dominanz und Coolness. Jonas gewann zehn Spiele mit 3:0-Sätzen, eine Partie mit 3:1, und – als ihm der Turniersieg nicht mehr zu nehmen war – kassierte er im letzten Match die einzige Niederlage. Fabian zeigte ebenfalls eine starke Leistung bei diesem Eliteturnier der jüngsten Tischtennis-Talente des Freistaates. Mit seinen Offensivaktionen und platzierten Schmetterschlägen beeindruckte er die Konkurrenz und so sprang im Endklassement der fünfte Platz heraus. Ganz oben auf dem Siegertreppchen stand Fabian bei den niederbayerischen Meisterschaften in Landau/Isar. Bei den Schülern B, das ist die Altersgruppe bis Geburtsjahrgang 2007, durfte er seinen ersten Titel bejubeln, nachdem er alle, meist älteren Kontrahenten in der Vorrunde sowie in den K.o.-Spielen in die Schranken verwiesen hatte.
Mit ihren Turniersiegen haben sich die Zwillinge das Startticket gesichert für die bayerischen Meisterschaften, die in Donauwörth ausgetragen werden. Betreut werden Jonas und Fabian wieder von Papa Hans und Mama Petra, die beim TV Ruhmannsfelden auch aktiv sind und bei den Herren III (Bezirksklasse A) und bei den Damen (Bezirksoberliga) um Spiel, Satz und Sieg kämpfen. Nachdem sie bereits Daniel jahrelang begleitet haben, sind die Eltern erneut fast jedes Wochenende unterwegs, um ihre Youngster zu Turnieren und Lehrgängen zu fahren und sie dort zu coachen. Diese Belastungen nehmen aber Hans und Petra Rinderer gerne auf sich, sie freuen sich über die rasante sportliche Entwicklung und sind mächtig stolz auf die Erfolge ihrer Söhne.

Michael Kramhöller



verfasst am 09.11.2019