Seit 125 Jahren immer in Bewegung (Bericht der PNP vom 08.09.2017 - Teil 1)

1892 wurde der Turnverein Ruhmannsfelden gegründet – Eigener Halle gilt ein Hauptaugenmerk – Jubiläumsabend am Samstag

Ruhmannsfelden. Ein lauer Sommerabend im Jahre 1892 in der Wirtsstube der Brauerei Wilhelm in Ruhmannsfelden: 14 junge Männer, die im Sinne von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn ("In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist") schon damals sportlichen Aktivitäten nachgingen, hatten sich dort getroffen und den Turnverein Ruhmannsfelden gegründet, der somit heuer auf sein 125-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Der viertälteste Sportverein des Landkreises Regen feiert den Geburtstag am Samstag mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche (Beginn 18 Uhr) und einem anschließenden Jubiläumsabend im Segl-Saal.

Wie jeder Verein, hat auch der TV Ruhmannsfelden in den vergangenen 125 Jahren Höhen und Tiefen erlebt, was ein Blick in die Chronik verdeutlicht. In der Anfangszeit konzentrierte sich das sportliche Geschehen auf leichtathletische Übungen, Gewichtheben, Steinstoßen und Turnen, in den Wintermonaten wurde die Geselligkeit gepflegt bei Christbaumfeiern, Tanzkränzchen und Bunten Abenden. Um die Jahrhundertwende stieg die Mitgliederzahl an, es wurden Sport- und Turnfeste besucht. 1902 beschloss die Vorstandschaft, die erste Fahne anzuschaffen.
Mit dem von Brauereibesitzer Michael Sagmeister gebauten Turnsaal war der junge Verein schon im Winter 1902 wetterunabhängig. Die TVler waren eifrige Sportler, deren Tatendrang dann durch den 1. Weltkrieg unterbrochen wurde. In der Generalversammlung am 21. Dezember 1918 wurden aber die Weichen für die Fortführung des Vereinslebens gestellt. Nach der Inflation gab es Probleme mit dem Turnsaal in der nunmehrigen Brauerei Vornehm, so dass man 1924 Pläne für den Bau einer eigenen Halle schmiedete, die sofort in die Tat umgesetzt wurden. Nach Fertigstellung der Fundamente am 4. November 1924 war die Baukasse allerdings schon leer. In den Folgejahren besannen sich die Verantwortlichen auf Eigeninitiativen, mit Christbaumfeiern, Vereinsbällen, Faschingshochzeiten und Tanzkränzchen kam Geld herein; Schriftführer August Högn bemühte sich pausenlos um Zuschüsse und Darlehen. 1927 ging es weiter mit der Errichtung der Turnhalle: 60000 Ziegel und das Holz für den Dachstuhl wurden angeliefert, am 29. Januar 1928 konnte die neue Halle in Betrieb genommen werden.

23200 Mark Schulden: Trotzdem Turnplatzbau

Der Schuldenbetrag war auf 23200 Reichsmark angewachsen, trotzdem fasste die Vorstandschaft den Bau eines Turnplatzes ins Auge. Wie schon beim Hallenbau, griff Brauereibesitzer Josef Zitzelsberger dem TV erneut unter die Arme und überließ dem Verein einen an die Halle angrenzenden Platz mit 100 Meter Länge und 50 Meter Breite. Dann schlossen sich die Fußballer der späteren SpVgg dem Turnverein an, im Herbst 1932 war der Turnplatz fertig. Bis zum Kriegsbeginn erlebte der TV einen unerwarteten Aufschwung, 1940 erhielt die Halle den Außenverputz.
Der Beginn des 2. Weltkrieges bedeutete die Einstellung des Sportbetriebes. Nach Kriegsende wurde der Verein am 22. Oktober 1946 aufgelöst, Turnhalle und Inventar gingen in die Verwaltung der Marktgemeinde über. Zahlreiche Mitglieder hatten in den Kriegsjahren ihr Leben lassen müssen, beim TV ging es trotzdem weiter. Am 15. August 1948 trafen sich ehemalige Mitglieder, Jüngere und Heimatvertriebene zur Wiedergründung des Turnvereins 1892.
Die Halle befand sich jedoch in einem verheerenden Zustand, der Sportbetrieb nahm zwar langsam Fahrt auf, doch umfangreiche Renovierungsarbeiten waren unumgänglich. Die bewährte Methode, mit gesellschaftlichen Aktivitäten zu Geld zu kommen, wurde aufgegriffen und 1950 eine Veranstaltung aus der Taufe gehoben, die heute noch das größte gesellschaftliche Ereignis der Marktgemeinde ist – das Ruhmannsfeldener Volksfest: Schon bei der Premiere wurde vier Tage lang gefeiert, das zweite Volksfest 1951 war verbunden mit dem 750-jährigen Marktjubiläum.
Bis Mitte der 1950er Jahre lief alles rund, danach stellte sich jedoch mehr und mehr eine "Vereinsmüdigkeit" ein. Aufwärts ging es erst wieder, als 1964 Fritz Wittmann die Führung übernahm. Die Vereinsarbeit konzentrierte sich zunächst auf den Erhalt der marode gewordenen Halle. Nachdem die eigentlich schon fixierte Übergabe an die Marktgemeinde gescheitert war, führte der TV große Renovierungs- und Erweiterungsmaßnahmen durch; 1967 wurde das 75-jährige Vereinsjubiläum gefeiert und mit einem Hallen-Anbau begonnen.


verfasst am 08.09.2017