Gänsehaut und bittere Enttäuschung (Bericht im Hauptsport der PNP vom 05.11.2026).

Olympische Jugendspiele in Dakar: Tischtennis-Hoffnung Jonas Rinderer erlebt Einmarsch-Highlight und dramatisches Turnier-Aus.

Von Michael Kramhöller
Ruhmannsfelden. Schade. Um zwei winzige Punkte hat das Ruhmannsfeldener Tischtennis-Talent Jonas Rinderer sein großes Ziel bei den Olympischen Jugendspielen in Dakar/Senegal verpasst. Im entscheidenden Match um den Einzug ins Achtelfinale unterlag der 16-Jährige seinem Kontrahenten aus der Türkei mit 10:12 im fünften Satz.

Kein Glück hatte der Youngster des TV Ruhmannsfelden bereits bei der Auslosung für die Einzelkonkurrenz des Olympia-Turniers. Rinderer erwischte eine „Hammergruppe“ und bekam es in der Vorrunde mit zwei Top-Spielern zu tun. Er traf auf den Bronzemedaillengewinner der U19-Weltmeisterschaft, Li Hechen aus China, und den U15-Europameister Görkem Öcal aus der Türkei. Machbar erschien die Aufgabe gegen den dritten Kontrahenten Aylan Goudjil aus Algerien. Somit war die Ausgangslage klar: Um die K.o.-Runde mit den besten 16 Nachwuchsassen zu erreichen, musste Jonas Rinderer einen der beiden Favoriten bezwingen.

In der Auftaktpartie gegen den bärenstarken Chinesen stand der Waldler jedoch auf verlorenem Posten. Der eineinhalb Jahre ältere Li Hechen, der in seinem Heimatland unter Profi-Bedingungen trainiert, dominierte von Beginn an. Jonas Rinderer hatte dem variantenreichen und kompromisslosen Spiel von Li Hechen wenig entgegenzusetzen. Der erste Satz ging mit 3:11 verloren, der zweite mit 6:11 und der dritte Durchgang mit 4:11. „Gegen den Linkshänder hatte ich überhaupt keine Chance, Li war eine Klasse besser“, resümierte die TV-Nachwuchshoffnung in einer WhatsApp-Nachricht an Vater Hans.

Ein paar Stunden später musste der Ruhmannsfeldener zur zweiten Gruppenbegegnung mit dem Algerier Aylan Goudjil an den Tisch. Rinderer begann gut, verschaffte sich einen 7:4-Vorsprung, doch dann riss der Faden. Hinzu kamen leichte Fehler und so zog Jonas im ersten Satz mit 10:12 den Kürzeren. Der Ärger über den unnötigen Rückstand war jedoch bald verflogen, denn fortan ging er konzentriert und couragiert zu Werke. Rinderer nahm das Heft in die Hand und behielt in Durchgang zwei mit 11:4 die Oberhand. Er blieb am Drücker und gewann den dritten Satz mit 11:8. Im vierten machte er seinen ersten Sieg bei Olympia perfekt und verließ nach einem weiteren 11:8 als 3:1-Gewinner die Box.

Nachdem auch Jonas´ letzter Gruppengegner gegen Hechen verloren und gegen Goudjil gewonnen hatte, wurde das zweite Ticket fürs Achtelfinale am nächsten Tag im Duell Öcan gegen Rinderer vergeben. Der Europa-Champion aus der Türkei, der in der aktuellen U19-Weltrangliste 144 Plätze vor dem Ruhmannsfeldener liegt, ging als klarer Favorit in dieses Match mit der Devise „siegen oder fliegen“. Davon zeigte sich jedoch Rinderer zunächst unbeeindruckt. Im ersten Durchgang ging es hin und her und ein 12:10 bedeutete die Führung für den Waldler.

Im zweiten Satz geriet er schnell ins Hintertreffen, kam nicht mehr in die Gänge und unterlag deutlich mit 2:11. Besser lief es im dritten Satz, aber am Ende musste sich Rinderer dem Türken mit 7:11 beugen. Doch Jonas konnte den Hebel wieder umlegen. Im vierten Durchgang trumpfte er mächtig auf und stellte mit einem 11:7 den 2:2-Satzausgleich her. Der entscheidende fünfte Satz verlief spannend und abwechslungsreich. Rinderer und Öcan lieferte sich einen offenen Schlagabtausch mit einigen spektakulären Ballwechseln. Beim Stande von 10:10 ging es in die Verlängerung, in der sich der Türke mit 12:10 durchsetzte – Jubel beim glücklichen Sieger, Enttäuschung bei Jonas Rinderer.

Nach dem knappen Aus war er verständlicherweise geknickt. „In einer solchen Situation brauchst du einen Big Point und auch ein bisserl Spielglück“, meinte er. „Jonas hat sich mit einer bemerkenswerten Leistung gegen einen der stärksten europäischen Nachwuchsspieler aus dem Olympia-Turnier verabschiedet“, lobten die DTTB-Verantwortlichen. Vor dem Einzelwettbewerb war Rinderer in Dakar im Mixed gestartet. Er und Partnerin Koharu Itagaki mussten aber schon in Runde eins die Segel streichen nach einem klaren 0:3 (5:11, 7:11, 7:11) gegen die Rumänen Andreaa Baiasu/Robert Istrate.

Ein unvergessliches Erlebnis war für den jungen Ruhmannsfeldener die Eröffnung der Jugendspiele, der ersten olympischen Veranstaltung auf afrikanischem Boden. Fähnchen schwingend zog Jonas Rinderer mit Team Deutschland ins Nationalstadion von Dakar ein und zeigte sich begeistert vom bunten Programm und der fröhlichen Atmosphäre dieser Feier.


verfasst am 05.11.2026